Rezensiert von Schülerinnen des Wahlpflichtfaches Deutsch im Schuljahr 2011/12:
Anna-Caroline Kainz, Jian-Ye Quian, Flora Petrik, Elena Schmall, Anna Schwarz, Barbara Sieber, Sarah Zöchling
Der 1971 erschienene Roman „Malina“ von Ingeborg Bachmann ist vielseitig interpretierbar. Anfangs werden die Leser durch eine Dreiecksbeziehung zwischen Malina, Ivan und dem erzählenden Ich irregeführt. Im Laufe der Lektüre wird jedoch klar, dass Malina den männlichen Teil des Ichs darstellt, in dem sich das Ich Schritt für Schritt auflöst. Die Handlung weist keinen roten Faden auf, der Roman ist vielmehr eine Komposition aus Erlebtem, Gefühlen, Gedanken, Träumen und Gesprächsfetzen. Trotzdem lässt sich in Ansätzen Handlung im Wien der “Jetzt-Zeit“ erkennen.
Während im ersten Kapitel das Ich noch in einer realen Welt mit Ivan erlebt wird, ist das zweite Kapitel sehr viel schwerer zu erfassen, da es dem Leser das Sicherheitsnetz einer äußerer Handlung vorenthält und ihn mit Alpträumen und Surrealem konfrontiert. Das dritte Kapitel, in dem Malina und in Übereinstimmung damit die Darstellung von Gedanken immer dominanter werden, sodass das fühlende Ich verschwindet, endet mit den Worten: „Es war Mord.“
Am Anfang des Romans scheint die Protagonistin vollkommen verloren zu sein in ihrer Gefühlswelt, jedoch ist spätestens im zweiten Abschnitt unübersehbar, dass sie sich intensiv mit der Außenwelt auseinandersetzt und an ihr leidet. So werden in diesem Kapitel (männliche) Autoritäten und deren Opfer in alptraumhaften Sequenzen gegenübergestellt. Zuerst wird der Eindruck vermittelt, das Ich beschäftige sich mit dem eigenen Vater und der Beziehung zu ihm. Allerdings gelingt es der Autorin diese Vaterfigur als Symbol für das Männliche an sich zu skizzieren. Hier verarbeitet sie unter anderem Bruchstücke österreichischer Zeitgeschichte, wie den Holocaust. Dieser Zusammenhang ist bei oberflächlicher Lektüre allerdings nicht fassbar.
„Malina“ ist Teil des Zyklus „Todesarten“. Das Ich, das in engem Zusammenhang mit der Autorin zu sehen ist, stößt an die Grenzen der Sprache und findet statt gesuchter Heilung nur Schmerz. Bachmann sieht keine Möglichkeit, Erlebtes und Gefühltes der Protagonistin auf herkömmliche Weise darzustellen, was auf den Leser undurchsichtig wirkt. Die letzte Konsequenz aus all ihrer Ausweglosigkeit ist der Tod in Malina.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das Werk sehr hohe Anforderungen an den Leser stellt. Erst durch die Auseinandersetzung mit verschiedenen Deutungsansätzen wird es verständlicher